CEO · Vodafone Deutschland
„Über eine Vier-Tage-Woche zu sprechen, ist wie weniger zu trainieren, um Weltmeister zu werden."
Marcel de Groot führt seit 2024 Vodafone Deutschland – über 13.000 Mitarbeitende, rund 12 Milliarden Euro Umsatz und damit die größte Landesgesellschaft im Vodafone-Konzern. Im Gespräch mit Bastian Lopez Estrada erklärt der Niederländer, warum er den deutschen Hang zum Meckern für Energieverschwendung hält, weshalb ohne leistungsfähige Netze weder KI noch Digitalwende funktionieren und warum Europa vor allem eins fehlt: Selbstbewusstsein. Dazu eine deutliche Ansage zur Vier-Tage-Woche, ein ehrlicher Blick auf den Preiskampf im Mobilfunk, die Logik hinter dem BVB-Sponsoring – und warum die Glasfaser-Debatte in Deutschland an der eigentlichen Kundenfrage vorbeigeht.
„Ohne Netze gibt es keine KI. Ohne Digitalwende keine Wirtschaftswende."
— Marcel de Groot
De Groots zentrale These: Netze sind die Grundlage von allem – KI, Streaming, Kommunikation, Produktionssteuerung. Vodafone ist nach eigenen Angaben weltweit größter Anbieter für die Digitalisierung von Autos. Wenn die Telekommunikationsbranche nicht liefert, hat die gesamte Wirtschaft ein Problem.
„Es ist ganz einfach, eine Strategie zu bauen." Was fehlt, ist Execution. Statt Analysephasen und Theorie: Prozesse einzeln anfassen, Probleme lösen, in jeder Mitarbeiterveranstaltung berichten, was sich konkret verbessert hat. Nach 18 Jahren im Unternehmen waren die Themen für ihn ab Tag eins klar – warten war keine Option.
Karriere mit vier Tagen? Möglich. Eine Vier-Tage-Woche als gesellschaftliche Antwort in der aktuellen Lage? „Wie weniger zu trainieren, um Weltmeister zu werden." Vodafone hat das frühere Flex-Homeoffice-Modell beendet und auf zwei bis drei Bürotage pro Woche umgestellt: „Wir sind kein Homeoffice-Unternehmen." Das Mitarbeiter-Engagement wird drei- bis viermal jährlich gemessen – und ist deutlich gestiegen.
Im Mobilfunk sinken die ARPUs marktweit, Preis ist das dominierende Argument – bei gleichem Preis bekommen Kunden aber ein Vielfaches an Leistung („für 3 Euro bekommst du heute die Thermoskanne statt der Tasse"). Das Wachstum kommt aus dem Mittelstand: Cloud, Security, Hosting, digitale Services. Wer digital gut aufgestellt ist, ist messbar erfolgreicher.
In den Niederlanden sind 80 Prozent der Haushalte mit Glasfaser erschlossen – der Fokus lag dort auf „homes connected" statt „homes passed". In Deutschland wurde vor allem an Häusern vorbeigebaut. De Groots Punkt: 24 Millionen Haushalte hängen an einem performanten Kabelnetz, Kunden interessiert am Ende stabiles Internet, gutes WLAN und ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis – nicht die Leitungstechnologie. Glasfaser und Kabel können lange koexistieren.
Marcel de Groot ist seit Ende März 2024 CEO von Vodafone Deutschland. Der Niederländer arbeitet seit rund 18 Jahren im Vodafone-Konzern – zuvor war er Chief Commercial Officer bei VodafoneZiggo in den Niederlanden und Consumer Director bei Vodafone Irland, seit 2022 verantwortete er das Privatkundengeschäft in Deutschland. Er führt heute über 13.000 Mitarbeitende und rund 12 Milliarden Euro Umsatz; mit knapp 29 Millionen Mobilfunk-, rund 10 Millionen Breitband- und etwa 9 Millionen TV-Kunden ist Vodafone Deutschland die größte Landesgesellschaft des Konzerns und steht für rund 30 Prozent des Gruppenumsatzes. Im Sommer 2026 wurde sein Vertrag vorzeitig um drei Jahre verlängert. De Groot lebt seit rund vier Jahren in Deutschland und hat zwei erwachsene Kinder.