Regional Managing Director Northern & Central Europe · Michael Page
„Aus einem Nein ein Ja zu machen – das wird eine KI so einfach nicht schaffen."
Zum LinkedIn-Beitrag dieser FolgeBevor Goran Barić in der Personalberatung landete, hat er Werbefilme produziert und für ein Frankfurter HipHop-Label gearbeitet – bis Napster und die Digitalisierung der Musik das Geschäftsmodell zerlegten. Heute, mehr als 22 Jahre später, führt er bei Michael Page die Region Nord- und Zentraleuropa. Im Gespräch mit Bastian Lopez Estrada im Hamburger Büro spricht er ungewöhnlich offen über eine Branche, die viele Unternehmen erst einmal ablehnen: warum Enttäuschung im Geschäftsmodell strukturell eingebaut ist, was eine Vermittlung tatsächlich kostet, was junge Berater verdienen können – und warum die Fluktuation in den ersten 18 Monaten am höchsten ist. Dazu: der Weg vom „Gastarbeiterkind" auf dem humanistischen Gymnasium in die Geschäftsführung, eine Umzugsparty, die es bis in die Bild-Zeitung schaffte, der Umbau vom reinen Festanstellungsgeschäft zu Contracting, Zeitarbeit und Executive Search – und seine These, dass Personalberater künftig wie Spielerberater arbeiten werden.
„Wenn ich diesen Job ehrlich erledige und Menschen so behandle, wie ich selbst behandelt werden möchte, dann ist das Geld am Ende eher ein Abfallprodukt."
— Goran Barić
Barić ist als einziges Kind jugoslawischer Einwanderer in Deutschland geboren und landete über eine Empfehlung der Nachbarin auf einem humanistischen Gymnasium – Latein als erste Fremdsprache, Mitschüler aus Arzt-, Juristen- und Industriellenfamilien. „Meine Mutter hat mir damals immer gesagt: Wir sind nicht deutsch. Wenn du hier Karriere machen willst, musst du besser sein." Was er dort gelernt hat: beobachten, zuhören, adaptieren – und damit den Abstand verkürzen. Genau diese Fähigkeit hält er auch für die entscheidende im Umgang mit KI.
Nach einem Praktikum in einer Münchner Werbefilmproduktion – wo er Organisation, Disziplin und das Prinzip „Double Check" lernte – kam der Anruf aus Rödelheim: ein Job beim Frankfurter Label 3p rund um Moses Pelham. Barić war dort das Bindeglied zwischen Business und Kreativwelt, bis MP3 und Napster die Einnahmen einbrechen ließen. „Im Grunde genommen das, was viele heute mit KI erfahren, haben wir damals Ende der 90er mit der Digitalisierung der Musik erlebt." Als das Label ihn nicht mehr bezahlen konnte, war das der schmerzhafte Bruch – und der Weg in die Personalberatung.
Auf eine Position kommen 100 Bewerbungen, platzieren lässt sich ein Bruchteil – „vorprogrammiert ist schon mal eine große Enttäuschung". Moderieren lässt sich das nur über Kommunikation: zurückrufen, Erwartungen managen, auch absagen. Barić kennt die andere Seite: 2003 hat er selbst Bewerbungsmappen gedruckt und per Post verschickt – und von namhaften Unternehmen nie wieder etwas gehört. Sein Vergleich für das „bloß keine Personalberater"-Reflex vieler Kunden: Beim Hausverkauf sagen viele erst einmal „bitte ohne Makler" – und trotzdem gibt es seriöse Makler, die für beide Seiten das beste Ergebnis holen.
Eine klassische Festanstellungsvermittlung kostet den Kunden rund 30 Prozent des Jahresgehalts. Auf der anderen Seite: Wer direkt von der Uni kommt, startet bei etwa 45.000 Euro fix plus Bonus, später kommen Car Allowance oder Dienstwagen dazu; in den starken Jahren um 2022 waren im ersten Jahr auch sechsstellige Gesamtpakete drin, realistisch sind rund 50 Prozent Bonus auf das Fixum. Der Preis dafür: monatliche Zahlen, echter Vertriebsdruck und die höchste Fluktuation in den ersten 18 Monaten. „Wenn du die packst, dann bleibst du eigentlich fast für immer." Für Führung nutzt das Haus den Begriff „Tough Love" – Tempo einfordern, aber die Leute mitnehmen.
Erst kam der Schock – auch am Aktienkurs der ganzen Branche –, inzwischen sieht Barić KI klar als Rückenwind: Notizen, Präsentationen, CV-Aufbereitung, Suchen – „wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, jemand hat sie für diese Branche erfunden". Was bleibt, ist die Beziehungsarbeit: einen Kunden überzeugen, einen Lebenslauf mit Lücke trotzdem durchzusetzen, am Ende zwischen Kunde und Kandidat zu moderieren. Wenn Kandidaten ihre Unterlagen mit KI aufhübschen und Unternehmen sie mit KI scannen, neutralisiert sich das ohnehin – „und am Ende bist du trotzdem ohne Ergebnis". Sein Blick auf die nächsten fünf Jahre: Personalberater werden zu einer Art Spielerberater, mit fester Bindung an den Kandidaten.
Goran Barić verantwortet als Regional Managing Director die Region Nord- und Zentraleuropa der PageGroup – dazu gehören unter anderem Deutschland, Österreich, die Schweiz, die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Polen. Als einziges Kind jugoslawischer Einwanderer in Deutschland geboren, absolvierte er nach dem Abitur eine Banklehre und studierte Betriebswirtschaft, unter anderem in England. Seine ersten Berufsjahre verbrachte er in einer Münchner Werbefilmproduktion und anschließend in der Musikbranche beim Frankfurter Label 3p um Moses Pelham. Nach dem Einbruch des Musikgeschäfts durch die Digitalisierung stieg er Anfang 2004 als Quereinsteiger bei Michael Page ein – damals rund 20 Mitarbeitende in Deutschland. 2012 wurde er Geschäftsführer für Deutschland, übernahm später zusätzlich Polen und Österreich und führt seit Oktober 2023 die gesamte Region Nord- und Zentraleuropa. Michael Page wurde 1976 in Großbritannien gegründet und feiert 2026 sein 50-jähriges Bestehen. Barić ist seit 25 Jahren mit seiner Frau zusammen und hat drei Töchter.